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Schädel-Hirn-Verletzung

Eine führende Krankheits- und Todesursache in den industrialisierten Ländern stellt die Verletzung des Kopfes dar. Schädel-Hirn-Verletzungen sind bei Menschen unter 45 Jahren die häufigste Todesursache. Unter 100.000 Europäern erleiden - je nach Region - zwischen 229 und 1.967 jedes Jahr ein Schädel-Hirn-Trauma. Für Deutschland gibt es keine exakten epidemiologischen Daten, es wird angenommen, dass bei uns jährlich 200-300 Personen pro 100.000 Einwohner ein Schädel-Hirn-Trauma erleiden.

Unser Neurotraumatologisches Zentrum verfügt über alle Verfahren, die für eine umfassende und moderne Behandlung von Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen erforderlich sind.

Wie entstehen Schädel-Hirn-Verletzungen?

Sie entstehen durch Gewalteinwirkungen auf den Kopf z.B. durch

  • Schlag
  • Sturz
  • Aufprall oder Anprall

So erleiden z.B. mehr als die Hälfte aller im Straßenverkehr verletzten Personen ein Schädel-Hirn-Trauma.

Wie wird das Schädel-Hirn-Trauma eingeteilt?

Die Dauer der Bewusstlosigkeit und die Rückbildung der Symptome bestimmt eine gebräuchliche, aber sehr schematische Einteilung des Schädel-Hirn-Traumas (SHT) in drei Schweregrade:

  • SHT 1. Grades: (commotio cerebri, Gehirnerschütterung) ist als leichte, gedeckte Hirnverletzung ohne Bewusstlosigkeit oder mit Bewusstlosigkeit bis zu 5 Minuten definiert. Sie heilt für gewöhnlich innerhalb weniger Tage vollständig aus. Symptome sind in der Regel eine retrograde Amnesie, also die Unfähigkeit sich an das Unfallereignis zu erinnern, und Übelkeit.
  • SHT 2. Grades: (contusio cerebri, Gehirnprellung) ist als Bewusstlosigkeit bis 30 Minuten definiert. Die Lokalisation der Hirnschädigung ist für das Auftreten von Spätfolgen entscheidend.
  • SHT 3. Grades: (compressio cerebri oder Gehirnquetschung) ist als Bewusstlosigkeit über 30 Minuten definiert. Oft sind Raumforderungen im Gehirn als Blutungen oder Ödeme eine Ursache für die lange Bewusstlosigkeit. Da das Gehirn vollständig von einer knöchernen Hülle umgeben ist, kann bei einem rasanten Druckanstieg innerhalb des Schädels das Gehirn nicht ausweichen und Schaden nehmen. Die Folge ist ein anhaltendes Koma oder sogar der Tod. Eine vorübergehende Entfernung eines Teils des Schädels für einige Monate kann notwendig sein.

Eine andere Einteilung orientiert sich am Glasgow Coma Scale (GCS):

  • GCS 3-8 Punkte - schweres Schädel-Hirn-Trauma
  • GCS 9-12 Punkte - mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma
  • GCS 13-15 Punkte - leichtes Schädel-Hirn-Trauma

Anatomisch-pathologische Einteilungen beschreiben offene/geschlossene sowie diffuse/fokale Schädel-Hirn-Traumata.

Was für Verletzungen können bei einem Schädel-Hirn-Trauma entstehen?

Bei etwa jedem dritten Patienten mit einem schweren SHT tritt eine Blutung im Schädel auf. Besonders häufig werden posttraumatische Hämatome bei Schädelfrakturen beobachtet.

Epidurales Hämatom

Epiduralhämatome haben ihren Sitz zwischen der harten Hirnhaut und dem knöchernen Schädel. Sie treten vorwiegend bei jüngeren Patienten nach Schädelfrakturen (meist innerhalb der ersten 4-8 Stunden nach dem Trauma) auf. Ursache ist meist eine Verletzung der A. meningea media oder ihrer Äste. Seltener entstehen sie durch Verletzung eines Hirnsinus oder als Frakturspalthämatom.

Im Computertomogramm imponieren sie als bikonvexe Struktur. Meist sind sie in der Temporal- oder Frontalregion gelegen. Andere Lokalisationen sind seltener.

Klassisch (aber eher selten) ist die Entwicklung der Symptome nach einer kurzen Phase der Bewusstlosigkeit und anschließendem Aufklaren ("freies Intervall"), gefolgt von sekundärer Eintrübung, Entwicklung einer einseitigen homolateralen Pupillenerweiterung mit kontralateraler Halbseitenlähmung. Bei primär bewusstseinsgetrübten oder komatösen Patienten kommt es zur Zunahme der Bewusstlosigkeit mit einseitiger Pupillenerweiterung und kontralateralen Halbseitenzeichen (häufigerer Verlauf).

Die Behandlung besteht fast immer in sofortiger operativer Entfernung des Hämatoms und Versorgung der Blutungsquelle. Bei frühzeitiger Operation ist die Prognose gut.

Akutes Subduralhämatom

Akute Subduralhämatome sind wesentlich häufiger als epidurale. Sie sind zwischen Hirnoberfläche und der harten Hirnhaut lokalisiert und entstehen durch Einrisse kleiner Gefäße auf der kontusionierten Hirnoberfläche. Betroffen sind alle Altersgruppen.

Im Computertomogramm imponieren die Blutungen als hyperdense, konvex-konkave Struktur über der Großhirnhemisphäre mit vorwiegender Lokalisation fronto-temporo-parietal. Fast immer finden sich als Ausdruck des primären Hirnschadens begleitende Kontusionen des Hirnparenchyms.

Die Symptomatik entspricht der des Epiduralhämatoms mit Bewusstlosigkeit, homolateraler Pupillenerweiterung und gegenseitiger Halbseitenlähmung. Die Patienten sind aufgrund ihrer schweren primären Hirnschädigung fast immer sofort bewusstlos und verschlechtern sich aufgrund der Raumforderung im weiteren Verlauf. Akute Subduralhämatome werden fast immer in den ersten 1-3 Stunden nach dem Trauma klinisch auffällig. Eine besondere Verlaufsform stellt das subakute Subduralhämatom beim älteren Menschen oder beim Alkoholiker dar. Hier kommt es oft ohne wesentliche Begleitverletzungen des Hirnparenchyms zum Einriss kleiner Kortexgefäße, welche dann zum subduralen Hämatom führen, welches – selbst bei initial unauffälligem Computertomogramm – erst nach 1-2 Tagen auffällig wird.

Akute subdurale Blutungen müssen durch eine Kraniotomie und Duraeröffnung dargestellt und ausgeräumt werden. Aufgrund der oftmals vorhandenen zusätzlichen Schädigung des Hirnparenchyms ist ihre Prognose ernst.

Intrazerebrales Hämatom

Intrazerebrale Blutungen entwickeln sich aus Einrissen tiefer gelegener kleinerer Hirngefäße zumeist in Kontusionszonen des Frontal- und Temporalhirns. Der Übergang zur Kontusion ist fließend. Die Symptomatik ist ähnlich wie beim Subdural- und Epiduralhämatom, wobei die Ausprägung und Geschwindigkeit der Symptomatik von der Schwere des initialen Hirnschadens sowie von der Größe und Lokalisation der Blutung bestimmt wird. Oftmals entwickelt sich in den ersten posttraumatischen Tagen ein ausgeprägtes perifokales Hirnödem.

Raumfordernde Blutungen, die zur transtentoriellen Einklemmung führen, werden operiert. Ihre Größe beträgt in diesem Fall meist deutlich über 25 ccm.

Wie wird ein Patient mit einem Schädel-Hirn-Trauma in unserem Zentrum behandelt?

Diagnostik:

Ein Hubschrauberlandeplatz befindet sich am Klinikum. Die interdisziplinäre Erstversorgung erfolgt im Schockraum. Die gemeinsame Untersuchung des Verletzten mit anderen Fachdisziplinen und die Absprache der erforderlichen Therapieschritte bietet eine optimale Behandlung aller erlittenen Verletzungen. Für die bildgebende Diagnostik stehen ein hochmodernes 36-Zeilen Spiral CT, ein 1,5 Tesla Kernspintomograph und moderne digitale Röntgen- und Ultraschallgeräte rund um die Uhr zur Verfügung.

Behandlung:

Operation:

Für die akute operative Versorgung sind alle Möglichkeiten, incl. Operationsmikroskop, gegeben. Neben der sofortigen Versorgung der Patienten ist die frühe Erkennung und Behandlung von Folgezuständen nach Kopfverletzungen Gegenstand unserer Arbeit. Durch die Implantation einer Hirndruckmesssonde kann zum Beispiel auf eine Erhöhung des Hirndruckes nach einem Unfall sehr früh reagiert und die intensivmedizinische oder operative Therapie optimiert werden. Blutungen oder verschobene Schädelbrüche werden sofort durch einen erfahrenen Neurochirurgen operiert.

Intensivmedizinische Behandlung:

Leichtere Verletzungen werden im eigenen Stationsbereich versorgt. Die Behandlung schwerverletzter Patienten erfolgt auf der interdisziplinären Intensivstation oder der Wachstation. Hier steht ein Neurochirurg rund um die Uhr für die spezielle Therapie zur Verfügung. Mit der intrakraniellen Druckmessung, der transkraniellen Dopplersonographie und dem elektrophysiologischen Monitoring werden alle aktuellen Überwachungsverfahren vorgehalten.

Frührehabilitation:

Mit verschiedenen Neurologischen Rehabilitationseinrichtungen in der Umgebung bestehen enge Kooperationen. Je nach der im Vordergrund stehenden Beeinträchtigung durch das erlittene Schädel-Hirn-Trauma erfolgt die Auswahl des besten Anschlussheilverfahrens, nach Abschluss der Akutbehandlung bei uns, in Absprache mit den Angehörigen und den weiterbehandelnden Kollegen.

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